Karma-Astrologie Part I

Nein, nein, das wird keine Einführung in die Karma-Astrologie. (Falls Sie eine solche suchen, bemühen Sie bitte Google oder Bing erneut.) Ich verstehe aber, dass das Thema Sie fasziniert. Es klingt so bedeutsam, so mystisch, so geheimnisvoll – und so viel versprechend. Sollten Sie dennoch weiterlesen wollen, rechnen Sie mit einer gelinden Ernüchterung.

Mir liegen drei Bücher vor, die sich mit Karma-Astrologie beschäftigen, zwei davon im Sinne einer Einführung mit vielen Beispielen und Textbausteinen der karmischen Bedeutungen von Konstellationen. Das dritte ist eine Zusammenfassung mehrerer Seminare, in denen es hauptsächlich um die Bedeutung der rückläufigen Planeten geht. Bei Buch Nr. 1 und Nr. 2 stellen sich mir die Haare auf. Da finden sich Aussagen wie:

Der Horoskopeigner nutzte in früheren Zivilisationen kosmische oder irdische Energie, um fortschrittliche technologische Neuerungen zu realisieren (rückläufiger Uranus in Wassermann).

Oder:

Die Geschwister des Horoskopeigners hatten in seinen früheren Leben große Schwierigkeiten, mit seiner Ungeduld ihren Wissensfortschritten gegenüber fertig zu werden (rückläufiger Uranus im 3. Haus).

Beides ist in keiner Weise belegbar oder überprüfbar, abgesehen davon, dass nicht näher erläutert wird, was man unter kosmischer Energie zu verstehen hat oder was der Horoskopeigner daraus für seinen Umgang mit aktuell nicht vorhandenen Geschwistern lernen kann. Ähnliche Deutungen ziehen sich durch sämtliche Kapitel der beiden Bücher. Der Leser, der versucht, die Materie ernst zu nehmen, wird sich nach einer Weile fragen, ob er denn wirklich so ein ungeratenes Subjekt ist – und sich schlimmstenfalls die Kugel geben wollen. Das ist nicht an den Haaren herbeigezogen, so etwas liest man in einschlägigen Foren nicht selten.

Beschäftigen wir uns aber zunächst mit einem kleinen Beispiel:
Ein Mann bringt einen anderen mittels eines Schneidwerkzeuges ums Leben.
Was bedeutet diese Tat für sein Karma?

Jemandem das Leben zu nehmen, ist wohl eher nicht so förderlich. Allerdings kommt es auf die Umstände und vor allem auf das Motiv der Handlung, der Tat (wörtliche Bedeutung von Karma: Tat, Handlung) an. Wenn ein Chirurg beherzt sein Skalpell ergreift, um jemanden vielleicht doch noch mit einer Notoperation zu retten, so ist das etwas anderes als ein Mord.

Gehen wir einen Schritt weiter: Beide, der Chirurg und der Mörder, weisen ähnliche Konstellationen im Horoskop auf, zum Beispiel einen rückläufigen Mars in Skorpion. Wie will ein Astrologe wissen können, ob derjenige nun womöglich Arzt oder Mörder war, um dann im Brustton der Überzeugung zu äußern, dass man in früheren Leben ein gewalttätiger Mensch gewesen sei und dieses Karma nun abzubüßen hätte? Was macht ein Kunde mit so einer Aussage? (Bestenfalls zeigt er dem Astrologen einen Vogel oder lacht schallend, aber die Absurdität solcher Aussagen muss ja zunächst durchschaut sein, was in bestimmten, zu solchen Astrologen treibenden Situationen nicht immer leicht fällt.) Was hilft dieses „Wissen“, was nützt es bei der Bewältigung von Problemen oder bei der Suche nach Lösungen? Bestenfalls kann eine Akzeptanz des eigenen Soseins die Folge einer solchen Beratung sein, eine Fokussierung auf das Hier und Jetzt. Da aber der direkte Bezug zum damaligen Erleben fehlt, scheint mir wenig wahrscheinlich, dass mehr als große Knoten im Kopf die Folge sind. Was ja Anlass sein kann, sich zu fragen, wie man auf die Idee kam, etwas über sein Karma erfahren zu wollen. Ganz allgemein dürfte dieser Kommentar es wohl eher treffen:

Ist doch schön: dass es einem jetzt so schlecht geht, lag daran, dass man iiiiiiirgendwann mal ein ganz schlechter Mensch war. Der man heute allerselbstverständlichst nicht mehr ist. Also braucht man an sich auch nichts mehr zu arbeiten, weil man ja sowieso nur noch die alte Strafe absitzt und danach dann wahrscheinlich erleuchtet ist.

Falls Sie das Lesen des bisherigen Textes nicht ermüdet oder gelangweilt hat, freuen Sie sich auf Karma-Astrologie Part II demnächst hier auf diesem Blog.

Panama Papers – Propaganda per Leaks

Am Sonntagabend ging eine Art Erdbeben durch die Medien: Es wurde über die so genannten “Panama Papers” berichtet. Diese bestehen aus einer unglaublichen Datenmenge und sollten enthüllen, wer was wo und wie viel an schnödem Mammon via Briefkastenfirmen vor Versteuerung bewahrt hat. Nicht fehlen durfte in den Schlagzeilen der Name der Ausgeburt des Bösen, Vladimir Putin, obwohl sich bei genauerem Lesen herausstellte, dass Putins Name aus den Datensätzen gar nicht herausgefiltert werden konnte. Man ließ sich daher ersatzhalber lang und breit über Freunde oder Bekannte des russischen Ministerpräsidenten aus, deren Namen in dieser Datenmenge gefunden wurden. Erst nach mehr als der Hälfte des Artikels auf SPON beispielsweise kamen dann auch andere Namen und Nationalitäten ins Spiel. Das hat schon ein „Geschmäckle“.

Gestern ist nun ein Buch erschienen mit dem Titel „Panama Papers“. Dieses muss zum Zeitpunkt der medialen Sause am Sonntag schon im Druck gewesen sein, mit anderen Worten, fix und fertig. Die Verfasser, ein Herr Obermayer mit Y und ein Herr Obermaier mit I, arbeiten bei der Süddeutschen Zeitung, die als erste mit der Meldung am Sonntag herauskam, fast parallel zur Veröffentlichung im Guardian. Das sieht sehr nach einer gut vernetzten Werbekampagne aus.

Angekündigt wurde das Buch vom Verlag Kiepenheuer und Witsch am 4.5.2016, zum Beispiel bei boersenblatt.net: KiWi-Buch zu den “Panama Papers”. Aus dem Text:

Das Buch  soll die Geschichte hinter der Geschichte erzählen, so der Verleger: Die beiden jungen Journalisten beschreiben den Moment, in dem sie die Daten zugespielt bekommen haben, die großen Recherchen, den ständig wachsenden Datenberg, schließlich das Einschalten des internationalen Journalistenverbands, die Koordination von 400 Reportern aus 80 Ländern. “Das ist eine unglaubliche Geschichte, die sich liest wie ein Kriminalroman”, ist Malchow überzeugt.

Dann wollen wir doch mal sehen, ob es sich um einen Krimi, den das Leben schrieb, oder etwas anderes handelt. wink

Panama Papers, Rezensionsexemplare per PDF, 05.04.2016, Köln, 17:00 Uhr

Panama Papers, Rezensionsexemplare per PDF, 05.04.2016, Köln, 17:00 Uhr

Ganz markant ist der Mars exakt auf der MC/IC-Achse, der als Herrscher von Haus 8 damit eine Mond/Pluto-Konstellation im Gepäck hat. Das ist einerseits hoch aggressiv und andererseits ein Indiz für eine ideologisch eingeschränkte Wahrnehmung, und auf jeden Fall hat man energisch in Tiefen gewühlt. Die AC/DC-Achse ist mit Jupiter und Neptun besetzt. Mit großem Aufwand und Enthusiasmus werden Nebelkerzen gezündet, denen das Gegenüber (DC) und – im Fall eines Buches der Leser – kaum entgehen kann. Ans Licht kommt da eher nichts. Saturn in Haus 4 im Quadrat zu Jupiter zeigt das Übertreten, die Verletzung und die Beugung sozialer Normen. Die Gründung von Briefkastenfirmen ist zwar nicht gesetzeswidrig, aber sie verletzt jedes halbwegs gesunde Rechtsempfinden. Diese Wunde wird mit dem Mars am IC tatkräftig „gepflegt“ werden, da dieser in sich die „Spinnenfürsorglichkeit“ der Mond/Pluto-Konstellation trägt.

Merkur, der Schriftsteller, ist Herrscher von Haus 1 und Haus 10, er steht in Haus 8 und damit wird die Marschrichtung, die Absicht, hinter dieser Publikation deutlich: Es geht schlicht um Propaganda und Manipulation, koste es, was es wolle (Herrscher von Haus 1 in Haus 8) und ohne nach rechts und links zu sehen (Herrscher von Haus 10 in Haus 8). Die mehrfach gegebenen Sonne/Pluto-Bezüge betonen dies, die Vorstellung, die Idee, ist wichtiger als die Realität. Was man in der herkömmlichen Darstellung nicht sehen kann, ist die Halbsumme MC=Merkur/Pluto, die ebenfalls für Manipulation und Propaganda spricht. Das korrespondiert mit der Auswahl der Kriterien, mit denen die riesige Datenmenge durchkämmt wurde. Die Auswahl dieser Selektoren ist nur schwer „wissenschaftlich“ zu nennen: Die wichtigste Suche, die am Datensatz vorgenommen wurde, war die Suche nach Namen, die im Zusammenhang mit der Verletzung von UN-Sanktionen stehen. Die Quelle hierfür ist die Süddeutsche Zeitung mit ihrer extra dafür aufpolierten Sonderseite selbst.

Die Frage ist, ob die Leser des Buches sowie der Werbekampagne in allen Medien – und damit die Öffentlichkeit – diese Verdrehungen schluckt oder nicht. Merkur steht auf einem Übergangsgrad, den 0° Stier, auf dem etwas gelingen kann oder nicht. Meistens gelingt das Vorhaben nicht, und da Merkur als Herrscher der Achsen das Vorhaben vertritt, ist die Hoffnung berechtigt, dass sich die Öffentlichkeit nicht wie erwünscht einseifen lässt (Neptun am DC).

Fazit: Nicht alles, was sich wie eine Enthüllung liest und als solche angekündigt wird, ist auch eine. Nicht jede Verpackung hält, was sie verspricht.

Gauckeleien

Gauck

Joachim Gauck

 

Unser Herr Bundespräsident war in Asien unterwegs und hat den Chinesen die Meinung gesagt. Vornehmer ausgedrückt: Gauck hat eine Rede an einer chinesischen Universität in Shanghai gehalten. Dieses überaus wichtige Ereignis wurde in der Jungen Welt pointiert kommentiert:

Wanderprediger des Tages: Joachim Gauck

China hat bislang unverschämtes Glück gehabt. Seit vier Jahren ist Joachim Gauck deutscher Präsident, die Volksrepublik hatte er stets gemieden. Nun allerdings ist diese wundervolle Zeit vorbei: Der »erklärte Antikommunist« (Bild) wollte »Defizite in der chinesischen Politik« ansprechen und hielt am Mittwoch vor der Tongji-Universität in Shanghai »eine Rede, die sich deutlich von denen anderer europäischer Staats- und Regierungschefs unterscheidet«.

Das kann man sich vorstellen. Bei diesem Mann, dem wohl selbst der morgendliche Brötchenkauf zu einer Mischung aus staatsbürgerlicher Weihestunde und Grundkurs im evangelischen Erwachsenenkatechismus gerät, ist Diplomatie gleichbedeutend mit bramarbasieren*. (*prahlen, großtun)

Gauck gab, so weiß es Hofpostille Bild, seine liebsten Kalendersprüche zum besten: »Das menschliche Verlangen nach Freiheit bricht sich immer wieder Bahn.« 

Wer ist dieser Mann, der wie ein Elefant im Porzellanladen in der Welt umhermarschiert, von Freiheit faselt, als ehemaliger Pastor dem Krieg das Wort redet? In der Astrodata-Bank findet sich eine Urkunde mit seiner Geburtszeit: Astro-Databank: Gauck, Joachim

So die Geburtszeit stimmt, fällt natürlich sofort die AC/DC-Achse auf, die in den Übergangsbereichen Waage/Skorpion und Widder/Stier liegt, also auf Kritischen Graden nach M. Roscher. Der AC auf einem Venus-Pluto-Grad zeigt schon eine Standpunktlosigkeit aus Selbsterhaltungstrieb (M. Roscher). Genau diese Standpunktlosigkeit kann sich Gauck in seiner Rolle als Bundespräsident nicht leisten, also wird ein Standpunkt pastoral vertreten, was sich am Pluto – in Haus 9 und eleviert – deutlich zeigt. Der DC macht es nicht besser, er liegt auf 0° Stier, einem Venus-Mars-Grad, dem nach Roscher diese Inhalte innewohnen: Flucht in parareligiöse Denksysteme, Bekehrung anderer aus der eigenen Unsicherheit heraus, Begabung zur Massensuggestion. Was dabei herauskommt, ist ein schwer erträgliches Geschwafel.

Das ist deshalb so peinlich-tragisch, da die Sonne als MC-Herrscher in Opposition zum besagten Pluto steht, der diese Anlage der Standpunktlosigkeit mit dem Kommunikationsverhalten (Sonne in Haus 3) verbindet und damit in die Öffentlichkeit trägt. Und Gauck hält gerne Reden. Wie Angela Merkel macht sich Gauck nicht gern die Finger schmutzig, will unschuldig bleiben (Sonne-Uranus-Konstellation über Herrscher von Haus 5 in Haus 11 und Herrscher von 11 Konjunktion Sonne). Dies wird zum Beispiel durch kreative Wortschöpfungen oder Verdrehen von Bedeutungen erreicht (Herrscher von Haus 11 in Haus 3 = Merkur-Uranus). Mit Mars als Mitherrscher des DC in Haus 6 gelingt es Gauck, auch Unangenehmes so in Bonbonpapier zu wickeln, dass die Ungeheuerlichkeit mancher Aussagen unsichtbar wird, Opportunismus und unfreiwillige Komik inklusive.

Die MC/IC-Achse liegt auf den Kritischen Graden 11° bis 13° Löwe/Wassermann, das sind Jupitergrade mit einer Beimischung des Zeichenherrschers. Für den MC ist das ein Jupiter + Sonne-Grad und damit ist die Richtung vorgegeben: Außergewöhnliches Selbstbewusstsein, gepaart mit gelegentlicher Flucht ins Macho-Verhalten, um emotional unberührbar zu erscheinen. Letzteres, nämlich die emotionale Unberührbarkeit, ist durch den IC in Wassermann schon gegeben. Da sollte man sich von dem Mond in Krebs nicht täuschen lassen. Dieser ist Herrscher von 9 in Haus 9 und weist damit mehr auf eine auf das soziale Umfeld gerichtete Wahrnehmung als auf tiefe Empfindsamkeit hin.

Die Sonne auf einem Kritischen Grad sollte eher zurückhaltend gedeutet werden. Erwähnen möchte ich diese Position dennoch: Sie liegt auf fast 3° Wassermann, dem Papageiengrad, dem ein besonderer Geltungsdrang nachgesagt wird. Ebenfalls berücksichtigt werden kann 2° Wassermann, ein Sonne-Venus-Grad, der sich laut Roscher häufig bei gesellschaftlich erfolgreichen Menschen finden lässt.

Wie immer lässt sich über ein Horoskop mehr sagen als das von mir Angerissene und auch eine Deutung wie diese wird nicht den Menschen, die Person Joachim Gauck, in Gänze erfassen. Ein Horoskop ist eben auch nur ein Bild. Vielleicht trägt diese kurze Analyse dennoch zu einer differenzierten Betrachtung einer öffentlichen Person wie Bundespräsident Gauck bei.