Karma-Astrologie Part II

Kommen wir zur Begriffsklärung, die in Part I etwas kurz gekommen ist.

Wörtlich übersetzt bedeutet Karma “Tat/Handlung”. Kurz angerissen wurde auch die Bedeutung der Motivation von Handlungen für das Karma. Verkürzt könnte man sagen, dass sich im Karma die Konsequenzen der eigenen Taten ausdrücken bzw. die Tatsache, dass es so etwas wie Karma gibt, diese erst hervorbringen. Und zwar im “Guten” wie im weniger Guten. Es lohnt sich, das genauer zu betrachten und daraus dann Rückschlüsse auf die Sinnhaftigkeit einer Astrologie zu ziehen, die vorgibt, Taten aus vergangenen Leben erkennen und beurteilen zu können.

Nehmen wir an, jemand ist eher ängstlicher Natur und sorgt sich vor allem darum, was andere über ihn denken. Er tut das, um gemocht zu werden, gut dazustehen, beäugt sich selbst kritisch und spricht innerlich viele Urteile über sich. Das hat zur Folge, dass er sich nicht vollwertig wähnt und im Laufe der Jahre gewöhnt er sich daran, seine Taten etwas zu schmücken, um sie aufzuwerten. Er schwindelt ein bisschen.

Doch früher oder später wird das kompliziert, weil man sich ja merken muss, was man wem an aufgerüschten Geschichten erzählt hat. So wird man entweder sehr wortkarg, um sich nicht zu verplappern oder aber erzählt sich und anderen Geschichten, die mehr oder weniger identisch sind. Oder man erfindet neue Geschichten, um zu kaschieren, dass man schon vorher bissel geschwindelt hat. Und so zieht derjenige das Netz um sich selbst immer fester und enger, verliert den Bezug zu den tatsächlichen Geschehnissen und lebt in einer erzählten und gedachten Welt. Das ist die Auswirkung, die Folge. Die Saat war die Angst und Sorge, nicht gut angesehen zu sein und sich daher ein wenig aufzuwerten. Als heutige Folge ist da die Sorge, enttarnt zu werden. Das Denken und das Handeln werden davon bestimmt.

Ändern kann man das Gewesene nicht. Was man tun kann, ist erkennen und dann neue Wege beschreiten. Das erfordert Mut und vor allem Übung in der ungewohnten Sicht- und Handlungsweise. Als weniger hilfreich hat sich in vielen Fällen erwiesen, weiterhin im Kreislauf der Urteile über sich selbst zu verharren, gedanklich bei Dingen zu bleiben, an denen nichts mehr zu ändern ist.

Das Gute an dieser „Diagnose“: So etwas hat man erlebt, es ist einem nahe. Man weiß, dass man geschwindelt hat, man kennt die Folgen und kann lernen, ohne diese Verschönerungen auszukommen. Man kann aber natürlich auch zum Karma-Astrologen gehen, der konstatiert, dass man einen rückläufigen Merkur in Konjunktion zum rückläufigen Neptun in Haus 3 und schon in vielen Leben Nachbarn und Geschwister beschwindelt hat.

Da kann man dann vermutlich nur noch einen Drehschwindel bekommen… Denn überprüfbar ist eine solche Aussage nicht. Eher zementiert sie das bisherige Verhalten als etwas Schicksalhaftes oder esoterisch-moderner ausgedrückt als „karmisch“ Bedingtes. Ob das hilft, Konditionierungen zu erkennen, sei dahingestellt. Zudem wird meines Wissens nie erwähnt, dass Karma Umstände „braucht“, unter denen es zur „Reife“ gelangt. Gibt es diese Umstände nicht, dann braucht man sich den Kopf über den rückläufigen Merkur in Konjunktion zum Neptun in Haus 3 oder nicht vorhandene Geschwister auch nicht zu zerbrechen.

Karma-Astrologie Part I

Nein, nein, das wird keine Einführung in die Karma-Astrologie. (Falls Sie eine solche suchen, bemühen Sie bitte Google oder Bing erneut.) Ich verstehe aber, dass das Thema Sie fasziniert. Es klingt so bedeutsam, so mystisch, so geheimnisvoll – und so viel versprechend. Sollten Sie dennoch weiterlesen wollen, rechnen Sie mit einer gelinden Ernüchterung.

Mir liegen drei Bücher vor, die sich mit Karma-Astrologie beschäftigen, zwei davon im Sinne einer Einführung mit vielen Beispielen und Textbausteinen der karmischen Bedeutungen von Konstellationen. Das dritte ist eine Zusammenfassung mehrerer Seminare, in denen es hauptsächlich um die Bedeutung der rückläufigen Planeten geht. Bei Buch Nr. 1 und Nr. 2 stellen sich mir die Haare auf. Da finden sich Aussagen wie:

Der Horoskopeigner nutzte in früheren Zivilisationen kosmische oder irdische Energie, um fortschrittliche technologische Neuerungen zu realisieren (rückläufiger Uranus in Wassermann).

Oder:

Die Geschwister des Horoskopeigners hatten in seinen früheren Leben große Schwierigkeiten, mit seiner Ungeduld ihren Wissensfortschritten gegenüber fertig zu werden (rückläufiger Uranus im 3. Haus).

Beides ist in keiner Weise belegbar oder überprüfbar, abgesehen davon, dass nicht näher erläutert wird, was man unter kosmischer Energie zu verstehen hat oder was der Horoskopeigner daraus für seinen Umgang mit aktuell nicht vorhandenen Geschwistern lernen kann. Ähnliche Deutungen ziehen sich durch sämtliche Kapitel der beiden Bücher. Der Leser, der versucht, die Materie ernst zu nehmen, wird sich nach einer Weile fragen, ob er denn wirklich so ein ungeratenes Subjekt ist – und sich schlimmstenfalls die Kugel geben wollen. Das ist nicht an den Haaren herbeigezogen, so etwas liest man in einschlägigen Foren nicht selten.

Beschäftigen wir uns aber zunächst mit einem kleinen Beispiel:
Ein Mann bringt einen anderen mittels eines Schneidwerkzeuges ums Leben.
Was bedeutet diese Tat für sein Karma?

Jemandem das Leben zu nehmen, ist wohl eher nicht so förderlich. Allerdings kommt es auf die Umstände und vor allem auf das Motiv der Handlung, der Tat (wörtliche Bedeutung von Karma: Tat, Handlung) an. Wenn ein Chirurg beherzt sein Skalpell ergreift, um jemanden vielleicht doch noch mit einer Notoperation zu retten, so ist das etwas anderes als ein Mord.

Gehen wir einen Schritt weiter: Beide, der Chirurg und der Mörder, weisen ähnliche Konstellationen im Horoskop auf, zum Beispiel einen rückläufigen Mars in Skorpion. Wie will ein Astrologe wissen können, ob derjenige nun womöglich Arzt oder Mörder war, um dann im Brustton der Überzeugung zu äußern, dass man in früheren Leben ein gewalttätiger Mensch gewesen sei und dieses Karma nun abzubüßen hätte? Was macht ein Kunde mit so einer Aussage? (Bestenfalls zeigt er dem Astrologen einen Vogel oder lacht schallend, aber die Absurdität solcher Aussagen muss ja zunächst durchschaut sein, was in bestimmten, zu solchen Astrologen treibenden Situationen nicht immer leicht fällt.) Was hilft dieses „Wissen“, was nützt es bei der Bewältigung von Problemen oder bei der Suche nach Lösungen? Bestenfalls kann eine Akzeptanz des eigenen Soseins die Folge einer solchen Beratung sein, eine Fokussierung auf das Hier und Jetzt. Da aber der direkte Bezug zum damaligen Erleben fehlt, scheint mir wenig wahrscheinlich, dass mehr als große Knoten im Kopf die Folge sind. Was ja Anlass sein kann, sich zu fragen, wie man auf die Idee kam, etwas über sein Karma erfahren zu wollen. Ganz allgemein dürfte dieser Kommentar es wohl eher treffen:

Ist doch schön: dass es einem jetzt so schlecht geht, lag daran, dass man iiiiiiirgendwann mal ein ganz schlechter Mensch war. Der man heute allerselbstverständlichst nicht mehr ist. Also braucht man an sich auch nichts mehr zu arbeiten, weil man ja sowieso nur noch die alte Strafe absitzt und danach dann wahrscheinlich erleuchtet ist.

Falls Sie das Lesen des bisherigen Textes nicht ermüdet oder gelangweilt hat, freuen Sie sich auf Karma-Astrologie Part II demnächst hier auf diesem Blog.

Panama Papers – Propaganda per Leaks

Am Sonntagabend ging eine Art Erdbeben durch die Medien: Es wurde über die so genannten “Panama Papers” berichtet. Diese bestehen aus einer unglaublichen Datenmenge und sollten enthüllen, wer was wo und wie viel an schnödem Mammon via Briefkastenfirmen vor Versteuerung bewahrt hat. Nicht fehlen durfte in den Schlagzeilen der Name der Ausgeburt des Bösen, Vladimir Putin, obwohl sich bei genauerem Lesen herausstellte, dass Putins Name aus den Datensätzen gar nicht herausgefiltert werden konnte. Man ließ sich daher ersatzhalber lang und breit über Freunde oder Bekannte des russischen Ministerpräsidenten aus, deren Namen in dieser Datenmenge gefunden wurden. Erst nach mehr als der Hälfte des Artikels auf SPON beispielsweise kamen dann auch andere Namen und Nationalitäten ins Spiel. Das hat schon ein „Geschmäckle“.

Gestern ist nun ein Buch erschienen mit dem Titel „Panama Papers“. Dieses muss zum Zeitpunkt der medialen Sause am Sonntag schon im Druck gewesen sein, mit anderen Worten, fix und fertig. Die Verfasser, ein Herr Obermayer mit Y und ein Herr Obermaier mit I, arbeiten bei der Süddeutschen Zeitung, die als erste mit der Meldung am Sonntag herauskam, fast parallel zur Veröffentlichung im Guardian. Das sieht sehr nach einer gut vernetzten Werbekampagne aus.

Angekündigt wurde das Buch vom Verlag Kiepenheuer und Witsch am 4.5.2016, zum Beispiel bei boersenblatt.net: KiWi-Buch zu den “Panama Papers”. Aus dem Text:

Das Buch  soll die Geschichte hinter der Geschichte erzählen, so der Verleger: Die beiden jungen Journalisten beschreiben den Moment, in dem sie die Daten zugespielt bekommen haben, die großen Recherchen, den ständig wachsenden Datenberg, schließlich das Einschalten des internationalen Journalistenverbands, die Koordination von 400 Reportern aus 80 Ländern. “Das ist eine unglaubliche Geschichte, die sich liest wie ein Kriminalroman”, ist Malchow überzeugt.

Dann wollen wir doch mal sehen, ob es sich um einen Krimi, den das Leben schrieb, oder etwas anderes handelt. wink

Panama Papers, Rezensionsexemplare per PDF, 05.04.2016, Köln, 17:00 Uhr

Panama Papers, Rezensionsexemplare per PDF, 05.04.2016, Köln, 17:00 Uhr

Ganz markant ist der Mars exakt auf der MC/IC-Achse, der als Herrscher von Haus 8 damit eine Mond/Pluto-Konstellation im Gepäck hat. Das ist einerseits hoch aggressiv und andererseits ein Indiz für eine ideologisch eingeschränkte Wahrnehmung, und auf jeden Fall hat man energisch in Tiefen gewühlt. Die AC/DC-Achse ist mit Jupiter und Neptun besetzt. Mit großem Aufwand und Enthusiasmus werden Nebelkerzen gezündet, denen das Gegenüber (DC) und – im Fall eines Buches der Leser – kaum entgehen kann. Ans Licht kommt da eher nichts. Saturn in Haus 4 im Quadrat zu Jupiter zeigt das Übertreten, die Verletzung und die Beugung sozialer Normen. Die Gründung von Briefkastenfirmen ist zwar nicht gesetzeswidrig, aber sie verletzt jedes halbwegs gesunde Rechtsempfinden. Diese Wunde wird mit dem Mars am IC tatkräftig „gepflegt“ werden, da dieser in sich die „Spinnenfürsorglichkeit“ der Mond/Pluto-Konstellation trägt.

Merkur, der Schriftsteller, ist Herrscher von Haus 1 und Haus 10, er steht in Haus 8 und damit wird die Marschrichtung, die Absicht, hinter dieser Publikation deutlich: Es geht schlicht um Propaganda und Manipulation, koste es, was es wolle (Herrscher von Haus 1 in Haus 8) und ohne nach rechts und links zu sehen (Herrscher von Haus 10 in Haus 8). Die mehrfach gegebenen Sonne/Pluto-Bezüge betonen dies, die Vorstellung, die Idee, ist wichtiger als die Realität. Was man in der herkömmlichen Darstellung nicht sehen kann, ist die Halbsumme MC=Merkur/Pluto, die ebenfalls für Manipulation und Propaganda spricht. Das korrespondiert mit der Auswahl der Kriterien, mit denen die riesige Datenmenge durchkämmt wurde. Die Auswahl dieser Selektoren ist nur schwer „wissenschaftlich“ zu nennen: Die wichtigste Suche, die am Datensatz vorgenommen wurde, war die Suche nach Namen, die im Zusammenhang mit der Verletzung von UN-Sanktionen stehen. Die Quelle hierfür ist die Süddeutsche Zeitung mit ihrer extra dafür aufpolierten Sonderseite selbst.

Die Frage ist, ob die Leser des Buches sowie der Werbekampagne in allen Medien – und damit die Öffentlichkeit – diese Verdrehungen schluckt oder nicht. Merkur steht auf einem Übergangsgrad, den 0° Stier, auf dem etwas gelingen kann oder nicht. Meistens gelingt das Vorhaben nicht, und da Merkur als Herrscher der Achsen das Vorhaben vertritt, ist die Hoffnung berechtigt, dass sich die Öffentlichkeit nicht wie erwünscht einseifen lässt (Neptun am DC).

Fazit: Nicht alles, was sich wie eine Enthüllung liest und als solche angekündigt wird, ist auch eine. Nicht jede Verpackung hält, was sie verspricht.