Uranus – genial oder bekloppt?

“Eruption” – (c) Gerhard Miller 2012

Unser Geburtshoroskop vergleiche ich gern mit einem Erz aus dem Bergwerk. Ein solcher Brocken enthält die verschiedensten Substanzen in unterschiedlichen Bestandteilen. Das Reine ist selten, wie zum Beispiel gediegenes Silber. Genauso selten wie 5-Sterne-Uranier, die ich im Folgenden beschreiben möchte. Ich verstehe darunter Personen, in deren Radix der Planet Uranus die großen Lichter und/oder Saturn aspektiert und zugleich eine dominierende Stellung einnimmt. Was das ist, das mag man definieren wie man will oder in welcher astrologischen Schule man ausgebildet wurde. Ich wurde klassisch ausgebildet, also in der ersten Hälfte eines Eckhauses.


Diese Uranier sind wild, grell und außergewöhnlich freiheitsliebend. Sind sie gezwungen auch nur einen Zentimeter ihres Eigensinns aufzugeben, dann ist das für sie bereits Verrat. Deshalb ist das Erlernen sozialer Codes – was im Ergebnis Sozialisierung bedeutet – für sie eine Zumutung. Sie revoltieren dagegen (im Extremfall als „unbeschulbare Kinder”), weil sie in Belehrungen ständige Verbiegungsversuche ihres authentischen Charakters erkennen oder zu erkennen glauben.


Im Erwachsenenalter hängt es von ihrer charakterlichen Reife ab, wie sie mit ihrer Außenseiterstellung umgehen. Aus dem buddhistischen Blickwinkel der Unbewusstheit “ist die Gesellschaft immer schuld.” Auf einer höheren Stufe haben sie sich selbst hinterfragt und können – vielleicht als Komödiant – sich und die Gesellschaft auf die Schippe nehmen. (Martina Hill, Monika Gruber und Anke Engelke haben starke Sonne-Uranus-Aspekte in ihren Geburtshoroskopen.)

Die bürgerliche Gesellschaft hält sich diese Genies als Hofnarren, welche ihr den Spiegel vorhalten dürfen, wie ungesund es ist Gefühle in einem grauen Mittelband unauffälliger Regungen abzuspulen.

Sehr starke uranische Energie verträgt sich sehr schlecht mit körperlichen Prozessen, von welchen die meisten sehr langsam ablaufen, wie zum Beispiel Verdauung oder Zellteilung, besonders weil diese Energie ruckartig einschlägt. Um den eigenen Geistvater Uranus zu überleben sind lange Erholungspausen anzuraten, damit das Gefühl, jeden Moment könne der innere Sicherungskasten durchbrennen, nicht zu einer bedrohlichen Schreckerfahrung wird. Uranus schickt uns die schnellste und machtvollste Geistenergie des Universums:

“Nichts ist mächtiger als eine Idee, deren Zeit gekommen ist.”

(c) Gerhard Miller 2012


Seine rasante Informationsübertragung und der abrupt hereinbrechende Reichtum an Ideen bei Klarheit des Geistes kann nicht nur zu einer Überforderung des eigenen Systems, sondern auch der Umgebung führen: sich überschlagende Geschwätzigkeit, ohne Punkt und Komma, unsortiert, bei katastrophaler Grammatik und amüsanten Wortschöpfungen.

Muss ich das Überlegenheitsgefühl eines 5-Sterne-Uraniers besonders erwähnen? Wohl kaum! Bestes aktuelles Beispiel: Präsident Donald Trump (Sonne Konjunktion Uranus).

5-Sterne-Uranier zu halten kann anstrengender sein als eine Horde neugieriger Waschbären. Es kann sein, dass man nach dem Besuch das Zimmer neu streichen muss.

Wie mit all dem umgehen? Wenn der Kopf raucht muss Erdung her: runter in den Keller, die eigenen Gold- und Silberbestände anfassen, dann Gartenarbeit und abends kuscheln wenn die Kinder im Bett sind. Beruflich Termine ausdünnen, soweit das möglich ist und den überanstrengten Geist in der freien Natur belüften.

Herzlichen Dank fürs Lesen und gutes Gelingen!

Kurzvita: Gerhard Miller (Jahrgang 1956) ist Schüler von Peter Niehenke und Eileen Nauman. Er lebt als Astro-Rentner in einer Chaos-WG in der Darmstädter City.

Karma-Astrologie Part II

Kommen wir zur Begriffsklärung, die in Part I etwas kurz gekommen ist.

Wörtlich übersetzt bedeutet Karma “Tat/Handlung”. Kurz angerissen wurde auch die Bedeutung der Motivation von Handlungen für das Karma. Verkürzt könnte man sagen, dass sich im Karma die Konsequenzen der eigenen Taten ausdrücken bzw. die Tatsache, dass es so etwas wie Karma gibt, diese erst hervorbringen. Und zwar im “Guten” wie im weniger Guten. Es lohnt sich, das genauer zu betrachten und daraus dann Rückschlüsse auf die Sinnhaftigkeit einer Astrologie zu ziehen, die vorgibt, Taten aus vergangenen Leben erkennen und beurteilen zu können.

Nehmen wir an, jemand ist eher ängstlicher Natur und sorgt sich vor allem darum, was andere über ihn denken. Er tut das, um gemocht zu werden, gut dazustehen, beäugt sich selbst kritisch und spricht innerlich viele Urteile über sich. Das hat zur Folge, dass er sich nicht vollwertig wähnt und im Laufe der Jahre gewöhnt er sich daran, seine Taten etwas zu schmücken, um sie aufzuwerten. Er schwindelt ein bisschen.

Doch früher oder später wird das kompliziert, weil man sich ja merken muss, was man wem an aufgerüschten Geschichten erzählt hat. So wird man entweder sehr wortkarg, um sich nicht zu verplappern oder aber erzählt sich und anderen Geschichten, die mehr oder weniger identisch sind. Oder man erfindet neue Geschichten, um zu kaschieren, dass man schon vorher bissel geschwindelt hat. Und so zieht derjenige das Netz um sich selbst immer fester und enger, verliert den Bezug zu den tatsächlichen Geschehnissen und lebt in einer erzählten und gedachten Welt. Das ist die Auswirkung, die Folge. Die Saat war die Angst und Sorge, nicht gut angesehen zu sein und sich daher ein wenig aufzuwerten. Als heutige Folge ist da die Sorge, enttarnt zu werden. Das Denken und das Handeln werden davon bestimmt.

Ändern kann man das Gewesene nicht. Was man tun kann, ist erkennen und dann neue Wege beschreiten. Das erfordert Mut und vor allem Übung in der ungewohnten Sicht- und Handlungsweise. Als weniger hilfreich hat sich in vielen Fällen erwiesen, weiterhin im Kreislauf der Urteile über sich selbst zu verharren, gedanklich bei Dingen zu bleiben, an denen nichts mehr zu ändern ist.

Das Gute an dieser „Diagnose“: So etwas hat man erlebt, es ist einem nahe. Man weiß, dass man geschwindelt hat, man kennt die Folgen und kann lernen, ohne diese Verschönerungen auszukommen. Man kann aber natürlich auch zum Karma-Astrologen gehen, der konstatiert, dass man einen rückläufigen Merkur in Konjunktion zum rückläufigen Neptun in Haus 3 und schon in vielen Leben Nachbarn und Geschwister beschwindelt hat.

Da kann man dann vermutlich nur noch einen Drehschwindel bekommen… Denn überprüfbar ist eine solche Aussage nicht. Eher zementiert sie das bisherige Verhalten als etwas Schicksalhaftes oder esoterisch-moderner ausgedrückt als „karmisch“ Bedingtes. Ob das hilft, Konditionierungen zu erkennen, sei dahingestellt. Zudem wird meines Wissens nie erwähnt, dass Karma Umstände „braucht“, unter denen es zur „Reife“ gelangt. Gibt es diese Umstände nicht, dann braucht man sich den Kopf über den rückläufigen Merkur in Konjunktion zum Neptun in Haus 3 oder nicht vorhandene Geschwister auch nicht zu zerbrechen.

Karma-Astrologie Part I

Nein, nein, das wird keine Einführung in die Karma-Astrologie. (Falls Sie eine solche suchen, bemühen Sie bitte Google oder Bing erneut.) Ich verstehe aber, dass das Thema Sie fasziniert. Es klingt so bedeutsam, so mystisch, so geheimnisvoll – und so viel versprechend. Sollten Sie dennoch weiterlesen wollen, rechnen Sie mit einer gelinden Ernüchterung.

Mir liegen drei Bücher vor, die sich mit Karma-Astrologie beschäftigen, zwei davon im Sinne einer Einführung mit vielen Beispielen und Textbausteinen der karmischen Bedeutungen von Konstellationen. Das dritte ist eine Zusammenfassung mehrerer Seminare, in denen es hauptsächlich um die Bedeutung der rückläufigen Planeten geht. Bei Buch Nr. 1 und Nr. 2 stellen sich mir die Haare auf. Da finden sich Aussagen wie:

Der Horoskopeigner nutzte in früheren Zivilisationen kosmische oder irdische Energie, um fortschrittliche technologische Neuerungen zu realisieren (rückläufiger Uranus in Wassermann).

Oder:

Die Geschwister des Horoskopeigners hatten in seinen früheren Leben große Schwierigkeiten, mit seiner Ungeduld ihren Wissensfortschritten gegenüber fertig zu werden (rückläufiger Uranus im 3. Haus).

Beides ist in keiner Weise belegbar oder überprüfbar, abgesehen davon, dass nicht näher erläutert wird, was man unter kosmischer Energie zu verstehen hat oder was der Horoskopeigner daraus für seinen Umgang mit aktuell nicht vorhandenen Geschwistern lernen kann. Ähnliche Deutungen ziehen sich durch sämtliche Kapitel der beiden Bücher. Der Leser, der versucht, die Materie ernst zu nehmen, wird sich nach einer Weile fragen, ob er denn wirklich so ein ungeratenes Subjekt ist – und sich schlimmstenfalls die Kugel geben wollen. Das ist nicht an den Haaren herbeigezogen, so etwas liest man in einschlägigen Foren nicht selten.

Beschäftigen wir uns aber zunächst mit einem kleinen Beispiel:
Ein Mann bringt einen anderen mittels eines Schneidwerkzeuges ums Leben.
Was bedeutet diese Tat für sein Karma?

Jemandem das Leben zu nehmen, ist wohl eher nicht so förderlich. Allerdings kommt es auf die Umstände und vor allem auf das Motiv der Handlung, der Tat (wörtliche Bedeutung von Karma: Tat, Handlung) an. Wenn ein Chirurg beherzt sein Skalpell ergreift, um jemanden vielleicht doch noch mit einer Notoperation zu retten, so ist das etwas anderes als ein Mord.

Gehen wir einen Schritt weiter: Beide, der Chirurg und der Mörder, weisen ähnliche Konstellationen im Horoskop auf, zum Beispiel einen rückläufigen Mars in Skorpion. Wie will ein Astrologe wissen können, ob derjenige nun womöglich Arzt oder Mörder war, um dann im Brustton der Überzeugung zu äußern, dass man in früheren Leben ein gewalttätiger Mensch gewesen sei und dieses Karma nun abzubüßen hätte? Was macht ein Kunde mit so einer Aussage? (Bestenfalls zeigt er dem Astrologen einen Vogel oder lacht schallend, aber die Absurdität solcher Aussagen muss ja zunächst durchschaut sein, was in bestimmten, zu solchen Astrologen treibenden Situationen nicht immer leicht fällt.) Was hilft dieses „Wissen“, was nützt es bei der Bewältigung von Problemen oder bei der Suche nach Lösungen? Bestenfalls kann eine Akzeptanz des eigenen Soseins die Folge einer solchen Beratung sein, eine Fokussierung auf das Hier und Jetzt. Da aber der direkte Bezug zum damaligen Erleben fehlt, scheint mir wenig wahrscheinlich, dass mehr als große Knoten im Kopf die Folge sind. Was ja Anlass sein kann, sich zu fragen, wie man auf die Idee kam, etwas über sein Karma erfahren zu wollen. Ganz allgemein dürfte dieser Kommentar es wohl eher treffen:

Ist doch schön: dass es einem jetzt so schlecht geht, lag daran, dass man iiiiiiirgendwann mal ein ganz schlechter Mensch war. Der man heute allerselbstverständlichst nicht mehr ist. Also braucht man an sich auch nichts mehr zu arbeiten, weil man ja sowieso nur noch die alte Strafe absitzt und danach dann wahrscheinlich erleuchtet ist.

Falls Sie das Lesen des bisherigen Textes nicht ermüdet oder gelangweilt hat, freuen Sie sich auf Karma-Astrologie Part II demnächst hier auf diesem Blog.