Der schleichende Abschied von der Solidarität

Auf SPON erschien am 7. August 2015 dieser Artikel: Die Kasse trainiert mit.

Die Verdrahtung der Versicherten über Apps und Gadgets ist eine der vielen Möglichkeiten, Menschen zu disziplinieren und ihnen die Verantwortung für etwas zuzuschieben, wofür sie oft gar nicht allein und einseitig verantwortlich sind: Für ihren gesundheitlichen Zustand. Gleichzeitig wird daraus mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Kostensenkungsprogramm, das sich in immer weiter reduzierten Versicherungsleistungen zeigen wird. Der Rubel muss rollen, ganz sicher geht es dabei aber nicht um den Rubel der Gemeinschaft der Versicherten. Allen voran – wie so oft – eine der AOKen, die sich in dieser Hinsicht gern mit fragwürdigem Ruhm bekleckert. Ein Grund, einen Blick auf das Gesetz zu werfen, das die Basis für die Entstehung dieser alten Institution AOK legte.

AOK

Der AC liegt knapp hinter den 16° Jungfrau (ein Merkur/Neptun-Grad): Was vorher nicht geregelt war, ist jetzt geregelt. Denn davor waren Arbeiter im 19. Jahrhundert sozial nicht abgesichert. Wer krank wurde, hatte halt Pech. Wie fortschrittlich das 1884 in Kraft getretene Gesetz war, zeigt sich an Uranus in Haus 1. Dass es um eine neuartige soziale Form der Solidarität geht, zeigt sich auch in Haus 9: Der Mond in Haus 9 kommt aus Haus 11, und Venus, die über Haus 9 und 2 herrscht, steht noch knapp in Haus 2; sie betont damit den materiellen und existentiellen Aspekt dieses Gesetzes.

Der Status einer Körperschaft des öffentlichen Rechts zeigt sich in der Saturn-Position in Haus 10. Seine Herkunft aus Haus 5 zeigt, dass es Zeit zu handeln war. Bismarck hat dieses Gesetzt nicht aus purer Menschenfreundlichkeit erlassen, sondern es war als eine Art Beruhigungspille für die Massen gedacht. Das sieht man gut an Neptun und Pluto in Haus 9.

Merkur herrscht über AC und MC; er selbst steht in Haus 4: Damit wird das Anliegen und die Zielsetzung an die „Basis“ transportiert. Schon an dieser Position lässt sich die Entwicklung ablesen: Die Verantwortung (Saturn, Haus 10) wird delegiert. Folgerichtig zeigt der Mars in Konjunktion zum Merkur und aus Haus 8 kommend die gegenseitigen Verpflichtungen zwischen Kasse und Versicherten, wobei die Hauptlast von letzteren zu tragen ist. Die Opposition Saturns zur Merkur/Mars-Opposition bestätigt dies und zeigt den angelegten Konflikt zwischen Versorgtwerden (Haus 4) und den Regeln (Saturn), die dafür eingehalten werden müssen.

AOK konvers

In der konversen Direktion mit dem Nabodbogen zeigt sich dieses Bild: Die dirigierte Spitze 6 steht auf dem Mondknoten: Durch Verkabelung (MK) wird die Anpassung (Haus 6) des Einzelnen angestupst; neudeutsch heißt das Nudging. Die Gadgets wie eine Apple Watch werden zur „Selbstoptimierung“ eingesetzt. Man lässt sich von einer Uhr erzählen, wieviel Schritte man zu laufen hat etc. Ganz schön irre! Interessanterweise steht im Transit der Mondknoten auf dem Uranus des Gesetzes, was wiederum einer „Verkabelung“ durch modernste Technik entspricht. Der dirigierte AC steht auf Spitze 9, was durchaus als Angriff auf Soziales gedeutet werden kann. Die Zurschaustellung des eigenen Tuns via App oder Gadgets zeigt sich durch die Betonung der Radix-Achse 3/9 durch den dirigierten AC und DC. Darüber hinaus aktiviert die dirigierte Spitze 9 den Radix-Mars, der Herrscher von 8 ist: Der Angriff auf die Solidarität ist ideologisch motiviert. Saturn als Normensetzer bildet im Transit eine Opposition zum Radix-Pluto: Noch zieren sich die anderen gesetzlichen Krankenkassen, Zuzuahlungen zu Gadgets zu leisten. Erfahrungsgemäß folgen sie aber früher oder später dem Beispiel der AOK.

AOK direkt

Bei direkter Führung erreicht der AC 25° Steinbock, einen NE/NE/NE-Grad, was eine maximale Schwächung des usprünglichen Anliegens zeigt: Nützlich für viele zu sein. Der MC auf 20° Waage, einem Venus/Saturn-Grad, bedeutet die ausdauernde und konsequente Verfolgung der gesetzten Ziele. Hier wird also das Ziel verfolgt, den ursprünglichen Zweck zu schwächen und das mit Nachdruck und vor allem langfristig. Die Geschichte der „Reformen“ im Gesundheitswesen ist denn auch Legende. Die vorgeschobene Spitze 6 auf 0° Krebs (Mond/Merkur) zeigt, dass sich die „Anpassung an Bedingungen“ im Wandel befindet: Der Einzelne wird verunsichert. Aus dieser Verunsicherung lässt sich Kapital schlagen: Wer immerzu auf Geheiß einer App „durch die Wälder joggt und Körner und Schlimmeres frisst“ und dessen Tag mit diesen Aktivitäten ausgefüllt ist, kommt kaum noch zum Nachdenken über die Sinnhaftigkeit seines Tuns. Gesundsein wird zum Imperativ. Und die Solidarität als Errungenschaft unserer Gesellschaft geht den Bach herunter.

Eiseskälte

Na, auch schon am Frieren?

Es ist kalt in Deutschland, in Europa. Und es wird kälter, daran ändert auch dieser Sommer mit seinen Hitzewellen nichts. Ich wollte schon länger etwas zu diesem Thema schreiben, fand es aber sehr schwierig, einen Bezugspunkt aus astrologischer Perspektive zu finden. Politisch gesehen ist das kein Problem. Da sind zum einen die ständigen Meldungen irgendwelcher Krisen wie in der Ukraine, in Südeuropa. Oder die fast versteckten Meldungen zur wachsenden Armut, auch und gerade hier in Deutschland. Gibt es eigentlich noch Menschen, die nicht über Angehörige oder Freunde von den brutalen Auswirkungen von Hartz IV Kenntnis haben? Oder von anderen Segnungen der Agenda 2010 wie stagnierenden Löhnen? Wer spürt nicht die Folgen von Privatisierungen im Klinikbereich, in den Gemeinden und Städten, im Wohnungsbau, bei der Energieversorgung?

Beispielhaft für die Eiseskälte ist der Umgang mit Mitgliedern der EU wie Spanien, Portugal, Irland, Zypern und Griechenland. Insbesondere in Griechenland wird deutlich, wie kalt es geworden ist: Dieses Land wird mit Reformen überzogen, die beispiellos sind. Zur Vereinbarung über das dritte „Hilfspaket“ sagte ein Nobelpreisträger, die Bedingungen seien grausam – und er hat Recht. Der Tenor in der deutschen Medienlandschaft ist: Wer nicht spart, muss fühlen. Niemand kann ernsthaft glauben, dass unsere Politiker nicht wüssten, was sie anrichten. Sie wissen es, und sie tun es trotzdem: Das „System Schäuble“. Die Menschen, die unter den Maßnahmen leiden, sind ihnen völlig egal. Da hilft auch das Predigen nicht.

eiskalt
Astrologisch gesehen ist Pluto der Planet, der von der Energie, der Hitze, dem Licht der Sonne am weitesten entfernt seine Bahn zieht. Aus diesem Grund habe ich seinen ersten Eintritt in das Zeichen Steinbock als Bezugspunkt für meine Analyse gewählt, denn auch das Zeichen Steinbock steht nicht gerade für Wärme. Für seinen ersten Auftritt hat Pluto als Aszendent das Zeichen gewählt, über das er herrscht, den Skorpion. Pluto himself steht in Haus 2, in dem Bereich des Horoskops, in dem es um Substanz im weitesten Sinne geht. Hier ist also eine Venus/Pluto-Konstellation gegeben, die mit Substanzopfern und Deformierungen einhergeht. Es geht an’s Eingemachte. Und das, ohne davon berührt zu sein: Uranus steht am IC in Opposition zum Mond in Jungfrau. Der Blick ist „nutzenorientiert“, auf Strukturen und Regeln, auf Gesetze und Normen gerichtet – ohne innerlich beteiligt zu sein (Mond-Uranus). Mit der Merkur/Neptun-Konjunktion in Haus 3 wird Mitgefühl zwar zur Schau gestellt – aber es dient nur dem Zweck und der Ideologie, denn Merkur herrscht über Haus 10 und als Mitherrscher über Haus 8. Neptun als Herrscher von 4 zeigt denn auch eher das Fehlen von emotionaler Bewegung als persönliche Betroffenheit; bestenfalls ist bei dieser Neptunposition ein unpersönliches Mitfühlen zu erwarten. So wird zwar mit Engelszungen das Lied von Freiheit gesungen (Merkur/Neptun und Sonne in Wassermann in Haus 3), aber dieser Gesang will nicht so recht mit der Gesamterscheinung harmonieren (Merkur/Neptun Quadrat AC). Er klingt blechern und schräg.

In diesem Horoskop stehen alle Planeten in Zeichen, die eher „kalt“ als „warm“ sind: Steinbock, Wassermann, Fische, Zwillinge und Jungfrau. Insbesondere die gesellschaftlichen Zeichen sind stark besetzt und in diesem Chart sind sie in den unteren Quadranten zu finden, was ein starker Hinweis auf eine objektiv gefärbte Subjektivität ist. So wirkt vieles vernünftig, ist aber interessengesteuert. Das zeigt sich deutlich in Haus 2, dessen Spitze im Schützen liegt und das mit Pluto, Venus und Jupiter besetzt ist. Alle diese Planeten haben einen Bezug zum „Haben“, zu Geld und zu Reichtum, und mit Jupiter und Schütze in 2 haben sie sehr gern sehr viel von all diesem. Wer hat, der will noch mehr. Und die, die nicht so viel haben? Die finden sich gegenüber in Haus 8, dem Haus der Werte der Anderen. Mitherrscher von 8 ist der Mond, der sich in der Jungfrau befindet – da kann man sich dann doch wohl bescheiden, oder? Merkur als Hauptherrscher ist mit Neptun liiert, dem Fass ohne Boden. Das spricht nicht dafür, dass diese Anderen sich ebenfalls die Taschen füllen können. Der Reichtum des Einen ist eben die Armut des Anderen: „Und der Arme spricht bleich: Wär‘ ich nicht arm, wärst du nicht reich.“

Das Chart weist eine starke Besetzung des I. Quadranten auf. Wenn es sich um eine Person handelte, wäre die Diagnose: starker Selbstbezug. Nicht aus Bösartigkeit, sondern anlagebedingt. So spiegelt dieses Horoskop die zunehmende Entsolidarisierung, die ihren stärksten Ausdruck im vorherrschenden Wirtschaftssystem findet, im Kapitalismus. So kommt das Oberhaupt der Katholiken angesichts der Folgen dieses zunehmend unregulierten Wirtschaftssystems zu diesem deutlichen Satz: Papst Franziskus: Diese Wirtschaft tötet. Damit das „Spiel“ auf der Achse 2/8 funktioniert, muss einem Großteil der Menschen eingeredet und vorgeführt werden, dass Wenige das Recht haben, es sich auf Kosten der Mehrheit gutgehen zu lassen. Das klappt am Besten, wenn man Güter, die dem Wohl aller dienen, privatisiert, oder Leistungen wie bei der Rente, im Gesundheits- und im Bildungssektor reduziert. Reiche brauchen keinen starken Staat, weniger Wohlhabende schon. Das „Zauberwort“ heißt Strukturreformen oder Sparen bis zum Kollaps. Folgerichtig findet sich in diesem Horoskop Saturn im 9. Haus. Das 9. Haus ist die soziale Umgebung – und auf diesem Sektor wird am meisten reduziert, gespart, beschränkt und reglementiert (Saturn). Damit wird sichergestellt, dass Saturn dem Vermögen und dem Besitz der Wenigen dient (Saturn als Mitherrscher von Haus 2). Die vielen weniger Begüterten können ja Kuchen essen, wenn sie kein Brot mehr haben.

Mir ist kalt.

Dieser Beitrag erschien zuerst am 30.07.2015 auf www.astrologie.de.

Astrologie im Schrebergarten

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Masstrichtverträge Sekundärprogression Juli 2015

Herr und Frau Schreber, in ihrem gerupften Garten sitzend und traurig die Stümpfe der abgeholzten Bäume betrachtend, prüfen erneut die Lage, dieses Mal nicht anhand der Protokolle zu den Maastricht-Verträgen, sondern mittels einer Technik, die sich Sekundärprogression nennt. Diese zeigt, was auf einer inneren und damit unsichtbaren Ebene vor sich geht.

Das Volk ist irgendwie konfus, ungerichtet, gleichzeitig klammert es sich an seine überlieferten Überzeugungen, an Wertvorstellungen, die nicht die eigenen sind (sek. Mond Haus 8 in Fische). Die Regierung macht es ja vor (sek. Sonne Übergang Skorpion/Schütze). Inflationär werden Werte beschworen, die jeder Realität widersprechen – das Handeln richtet sich an Dogmen aus. An Dogmen wie Wettbewerbsfähigkeit, Sparen, Strukturreformen, deren Umsetzung niemandem etwas brachte außer einem Land. Und selbst in diesem Land, dem scheinbaren Nutznießer, gibt es viele Verlierer. Nur wird das kaum sichtbar (sek. Venus Quadrat AC, Mitherrscher 3 Quadrat AC). Geschickt werden die Ziele so formuliert, als seien sie deckungsgleich mit dem, was das Volk möchte (sek. MC Konjunktion Mond). Immerhin ist das Volk ja dem Gesetz nach der Souverän (Mond in Haus 10 im Radix). Der laufende MC jedoch aktiviert das Mond/Saturn-Quadrat des Wurzelhoroskops. Die Gesetze, die Regeln und die Strukturen, erzeugen Reibung und Widerstand – wie bei den Schrebers, denen Regeln für ihren Garten aufgezwungen wurden und deren Einhaltung ihnen schadet. Sie können keine Äpfel mehr ernten, weil der Baum gefällt werden musste und sie können sich nicht mehr am Anblick des Blumenbeetes erfreuen, weil sie es umgraben mussten.  Schrebers empfinden das als Angriff auf ihre Werte und ihre Ressourcen – und es ist auch einer, denn die neuen Regeln (sek. MC) aktivieren die Mars/Pluto-Konjunktion des Radix und diese wiederum ist eine Art Aufforderung, unerbittlich gegen sich selbst vorzugehen. Schrebers gehen in die innere Opposition.

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Maastricht-Verträge Nabodbogen-Direktion Juli 2015

Gründlich und gewissenhaft wie sie nun einmal sind, wollen Herr und Frau Schreber es aber nicht bei dieser Bestandsaufnahme belassen. Daher richten sie ihren Blick auf die äußere, eher sichtbare Ebene und sie tun das, in dem sie die Achsen nach dem Nabodbogen dirigieren. Und da zeigt sich, dass der MC ebenfalls in Konjunktion zum Mond des Radix steht. Schrebers seufzen. Es ist ja schön, wenn Innen und Außen übereinstimmen, so ganz grundsätzlich. Aber der Schrebergarten ist trotzdem ein Schatten seiner selbst. Dennoch gibt es einen Unterschied: Der Stil der nachgelagerten und ergänzenden Verträge ist ein anderer geworden, denn der dirigierte AC fällt in das 2. Haus des Radix. Damit zeigt sich ein Zweifel am bisherigen Selbstverständnis: Trägt das, was in Maastricht vereinbart wurde, noch dieses komplexe und verschiedenartige Gebäude EU? Noch wird diese Frage nicht hörbar gestellt, obwohl laut geredet wird (dirigierter AC auf einem Sonne/Merkur-Grad: Die Rede des Herrschers). Doch diese Kakophonie verhindert nicht, dass Ehepaar Schreber bemerkt, wie sehr die Substanz bröselt (dirigierte Spitze 2 auf einem Merkur/Neptun-Grad) und dass die vereinbarten Regeln nicht mehr greifen. Schrebers fällt täglich auf, in welch schlechtem Zustand die Straßen sind, wenn sie zu ihrem Garten fahren. Sie sehen, dass die alte Nachbarin große Probleme mit dem Rollator hat, wenn sie einkaufen geht – kürzlich ist die Neunzigjährige sogar schwer gestürzt, weil der Gehweg nur noch aus geflickten Schlaglöchern besteht. Die Gleichung „alle zahlen Steuern für das gemeinsame Wohl“ geht nicht mehr auf.

Nach einer kurzen Pause mit einem starken Kaffee und einem Kuchen aus den letzten selbst geernteten Äpfeln – irgendwo muss der Stiermond der Schrebers schließlich mit seinem Bedürfnis nach sinnlichen Genüssen hin – prüft das Ehepaar erneut die gesammelten Fakten. Frau Schreber stellt fest, dass sie etwas Wichtiges übersehen haben. Dieses wichtige Detail weckt in Frau Schreber sowohl Hoffnung als auch Befürchtungen. Sie sieht nämlich den dirigierten MC auf einem Kritischen Grad stehen. Es ist ein Saturn/Uranus-Grad und er ist meist schmerzlich in seiner Auswirkung, bedeutet er doch, sich in einer unendlich spannungsgeladenen und widersprüchlichen Situation zu befinden. Herr Schreber murmelt etwas, das wie völlig schizophren oder wahlweise reichlich Gaga klingt. Der Grad beinhaltet den Bruch mit Traditionen und Normen, allerdings in der schmerzhaften Variante. Doch als Realisten halten Schrebers ein Ende mit Schrecken für erträglicher als einen Schrecken ohne Ende. Mit dieser leisen Hoffnung auf Besserung im Herzen beschließt Ehepaar Schreber, die Fakten erst einmal zu verdauen und eine Nacht darüber zu schlafen, ehe es sich an die Ausarbeitung einer Prognose macht.