There’s a little yellow pill

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… sangen die Rolling Stones bereits 1965. Da war das erste Antidepressivum schon wieder vom Markt genommen worden wegen seiner schweren Nebenwirkungen. Zugelassen worden war dieses Mittel, Marsilid, bereit 1958, erste klinische Versuche fanden ab 1952 statt, zunächst allerdings an Tuberkulosepatienten. Die Substanz war für dieses Einsatzgebiet entwickelt worden und zeigte nicht die erwünschte Wirkung. Man bemerkte aber eine Steigerung der Stimmung gegenüber Patienten der Kontrollgruppe. So richteten sich weitere Forschungen und Versuche auf die Behandlung Gemütskranker. Kurz nach der Zulassung von Marsilid kamen weitere Antidepressiva auf den Markt. Heute sind sie Spitzenreiter unter den Verordnungen im Bereich der Psychopharmaka. Es werden mit diesen Medikamenten erhebliche Umsätze gemacht und Gewinne erzielt. Doch ist der Nutzen durch diese Mittel für die Erkrankten so hoch wie behauptet wird? Sind diese Mittel trotz ihrer vielfältigen Nebenwirkungen harmlos? So harmlos, dass sie trotz der geäußerten Bedenken oder auch Ablehnung durch Patienten nach einem fünf- bis zehnminütigen Gespräch verordnet werden?

Das Horoskop des ersten klinischen Versuchs mit Marsilid zeigt eine Mond/Neptun-Konjunktion in Haus 4, ein treffendes Bild für ein Medikament (Neptun), dass auf den Gemütszustand (Mond) einwirkt. Der Mond ist Herrscher des Krebs-Aszendenten, da er als solcher in Haus 4 steht, bildet er eine Mond/Mars-Konstellation, die als eine Tendenz zur Autoaggression betrachtet werden kann. Der Uranus am Aszendenten bildet die Anregung durch das Medikament auf den Antrieb ab, der bei einer Depression meist deutlich herabgesetzt ist. Dieser Uranus ist Herrscher des 8. Hauses. Wenn der Herrscher des 8. Hauses in Haus 1 steht, kann man sehr vorsichtig ein „Suizid-Potential“ in Betracht ziehen. Mars und Venus stehen in diesem Horoskop in weiter Konjunktion in Haus 2 und zeigen eine Verletzlichkeit oder eine Verletzung des Körpers an. Auch der Mars in Haus zwei bildet eine Venus/Mars-Konstellation. Die Mond/Neptun- und die Venus/Mars-Konstellationen werden wieder auftauchen, nämlich in den Horoskopen anderer Antidepressiva. Eines sei hier beispielhaft gezeigt.

vortioxetinRechts ist das Horoskop des jüngsten „Marktteilnehmers“ zu sehen: Es handelt sich um die Substanz Vortioxetin. Zugelassen wurde sie für den US-amerikanischen Markt im September 2013 zur Behandlung schwerster Formen der Depression. Auch in diesem Chart nimmt Uranus eine prominente Stellung ein, er steht genau auf dem MC und auch hier ist er Herrscher des 8. Hauses. Uranus bildet in diesem Chart eine Saturn/Pluto-Konstellation. Michael Roscher beschreibt diese Konstellation als „Verhärtung bis zum Zusammenbruch“ oder „Scheuklappen rechts und links, oben und unten“. Diese flockig klingenden Beschreibungen bilden sehr gut den schlimmen Zustand ab, in dem sich schwerstkranke, depressive Menschen befinden, die teils unfähig sind, sich zu bewegen oder vom Geschehen um sie herum etwas wahrzunehmen. Da braucht es womöglich die durch Uranus am MC beschriebene „Brechstange“ (Saturn/Uranus-Konstellation). Auch in diesem Horoskop findet sich ein Mond/Neptun-Bezug, hier durch Merkur als Herrscher von Haus 12 in Haus 4. Die bereits im ersten Horoskop auffälligen Venus/Mars-Konstellationen zeigen sich erneut.

Mond/Neptun-Konstellationen werden häufig mit Medikamenten, Drogen und Suchterkrankungen in Zusammenhang gebracht. In beiden Horoskopen findet sich diese Konstellation. Für die gesamte Gruppe der Antidepressiva wird behauptet, sie würden in sich kein Abhängigkeitspotential bergen. So wird denn auch immer wieder in Informationen für an Depressionen Erkrankte betont, dass eine medikamentöse Behandlung heilen könne und Angst vor Abhängigkeit unbegründet sei. Dies ist die weit verbreitete Ansicht, die zum Beispiel auch von der Deutschen DepressionsLiga e.V. in ihrer Patientenbroschüre vertreten wird. Doch was ist mit den vielen Menschen, die versuchen, diese Medikamente abzusetzen und kläglich scheitern? Die sich Wochen, Monate und manchmal Jahre abmühen, um frei von diesen Medikamenten zu werden? Bilden sich diese Menschen ihre Leiden nur ein? Kann man sich Entzugserscheinungen einbilden? Sind insbesondere Antidepressiva aus der Gruppe der SSRI so harmlos, wie behauptet wird? Warum wird empfohlen, diese Medikamente nicht abrupt abzusetzen? In den Beipackzetteln ist von „Absetzsymptomatik“ die Rede, von einem Rebound-Phänomen. Dies bedeutet, dass durch die langsame Dosisverringerung Symptome auftreten, die an den Beginn der Erkrankung erinnern. Eigenartigerweise verschwinden viele dieser Symptome unmittelbar nach einer erneuten Erhöhung der Dosis. Würde ein Alkoholkranker aufhören, zu zittern, zu schwitzen, ruhiger werden und sich entspannen, wenn er eine bestimmte Menge Alkohol trinkt, würde dieses Phänomen als ein Beweis seiner Abhängigkeit betrachtet. Bei Menschen, die beim Absetzen von SSRI unter ähnlichen Symptomen leiden, heißt es, das seien „Absetzsymptome“. Was ist da los, was ist geschehen? Warum wird dieser Unterschied in Benennung und Bewertung sehr ähnlicher Phänomene vorgenommen und verbreitet?

Es ist nicht ganz leicht, im Internet hierzu ernst zu nehmende Auskünfte zu finden. Neuere Forschungsergebnisse werden überwiegend in Englisch publiziert. Erfahrungen Leidgeplagter findet man auch nur durch eine gewisse Hartnäckigkeit. Die Berichte Betroffener sind teilweise derart erschütternd, dass ich mich frage, wie man es schaffen kann, diese Menschen nicht ernst zu nehmen. Interessant ist auch, dass seit etwa Anfang der 2000er Jahre auf die steigende Suizidgefährdung bei mit dieser Stoffgruppe behandelten Jugendlichen hingewiesen wird. In einigen Ländern dürfen diese Mittel Jugendlichen nicht mehr oder nur unter strengen Auflagen verordnet werden. Bei weitergehender Recherche fand ich eine Veröffentlichung, deren Autoren sich mit dem Auftreten spezieller Symptome beim Absetzen von SSRI auseinandersetzten. Die Forschergruppe um A. G. Flava hat diverse Studien und Fallberichte gesichtet, gezielt durchsucht, ausgewertet und bewertet. Das Ergebnis wurde Anfang 2015 veröffentlicht. Die Schlussfolgerung dieser Studie ist deutlich:

Schlussfolgerungen: Kliniker müssen SSRI zu ihrer Liste der Medikamente hinzufügen, die potentiell Entzugserscheinungen beim Absetzen auslösen, zusammen mit Benzodiazepinen, Barbituraten und anderen psychotropen Substanzen. Der Begriff „Absetzsyndrom“, der aktuell das durch SSRI induzierte Abhängigkeitspotential verharmlost, sollte ersetzt werden durch den Begriff „Entzugssyndrom“. Quelle: Withdrawal Symptoms after Selective Serotonin Reuptake Inhibitor Discontinuation: A Systematic Review, Fava G.A. et al. (von mir übersetzt aus dem Englischen)

Es ist höchste Zeit, dass sich diese Erkenntnis durchsetzt, damit nicht unzählige Menschen, die in gutem Glauben ihren Arzt um Hilfe bitten, abhängig werden. Damit nicht viele Ärzte, die ihren Patienten diese Mittel in bester Absicht verschreiben, daran beteiligt sind, Erkrankte zu Abhängigen zu machen, die unter Umständen einen jahrelangen Leidensweg vor sich haben. Es ist höchste Zeit, den Pharmakonzernen auf die Füße zu treten und sie zu verpflichten, das Suchtpotential dieser Substanzen in den Beipackzetteln beim Namen zu nennen. Bei den Opiaten, den Benzodiazepinen und anderen Substanzen war das ja auch möglich. Es ist höchste Zeit, diese durch die Venus/Mars-Konstellationen in den Horoskopen der Substanzen angezeigte Körperverletzung zu beenden. Und es ist allerhöchste Zeit, zu erkennen, dass eine Entwicklung wie diese ermöglicht wurde durch eine politisch gewollte Ökonomisierung des Gesundheitswesens in der BRD und anderen Ländern.

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