Transitdirektionen

Es gibt eine Technik, die Transite und Direktionen in sich vereint und vielseitig einsetzbar ist. Gefunden wurde sie von Michael Roscher, dem Begründer der Transpersonalen Astrologie. Die Technik ist schnell erklärt. Was man braucht, ist eine Kopie des Radix und einen „Untersuchungsgegenstand“ wie eine Frage nach einem bestimmten Lebensbereich. Davon hängt ab, welcher Planet den Bogen für die Direktion vorgibt. Als Beispiel dient mein Horoskop:

Radix

Will ich nun wissen, wie es zu einem bestimmten Zeitpunkt um meine Beziehungen bestellt ist, suche ich zunächst nach dem Herrscher des 7. Hauses (dieses enthält das Begegnungspotential). In meinem Fall ist das Uranus, da die Spitze des 7. Hauses in Wassermann liegt. Wer ein Programm wie Astroplus sein eigen nennt, ist jetzt fein raus. Er muss sich nämlich aus den vielen Möglichkeiten dieses Programmes nur die Transitdirektionen heraussuchen und kann dann für jedes beliebige Datum jeden beliebigen Planeten als Grundlage des Direktionsbogens auswählen und erhält dann eine Grafik, die das verschobene Radix zeigt. Dieses dirigierte Horoskop zusammen mit dem Radix dargestellt werden – Radix innen und die Transitdirektion außen – und die Deutungsarbeit kann beginnen.

Wer ein solches Programm nicht besitzt, kann trotzdem mit den Transitdirektionen arbeiten. Dazu wird das Radix auf eine Folie gedruckt, falls möglich, denn dann ist die Folie am genausten. Zur Not tut es aber auch eine Pause mit einem wasserfesten Folienstift, mit dem man die Achsen, die Hausspitzen und die Planeten auf Basis des Radix kopiert. Wichtig ist, die Mitte der Zeichnung sorgfältig zu markieren, damit sich beim Übereinanderlegen der beiden Horoskope nichts verschiebt. Im nächsten Schritt sucht man sich das gewünschte Datum der Untersuchung und den Häuserherrscher des Hauses, das genau betrachtet werden soll. Das ist in diesem Beispiel Uranus. Dessen Position findet man am schnellsten über die Tagesstände der Planeten heraus. Heute, am 23. 09.2015, steht Uranus auf 19° 15′ Widder. Man dreht die Folie so, dass der Uranus der Folie auf diese Position, also auf 19° 15′ Widder, des Radix zu stehen kommt.

Was genau passiert da technisch? Das gesamte Horoskop im Außenkreis wurde um die Gradanzahl verschoben, die zwischen der Geburtsposition des Uranus und seiner momentanen Stellung im Transit liegt, daher die Bezeichnung Transitdirektion. Der Abstand zwischen rUranus und tUranus beträgt in diesem Beispiel gerundet 243°, und diese 243° sind der sogenannte Bogen, in diesem Fall ist es der Uranusbogen. Beim Deuten werden die Konjunktionen berücksichtigt, auch Konjunktionen auf und zu Hausspitzen sowie Positionen auf Kritischen Graden. Diese müssen gemäß des Herrschers von 7 – als begegnungsbezogen im weitesten Sinne – interpretiert werden. Der AC ist also nicht mit dem AC im Radix gleichzusetzen, sondern als AC im Sinne des 7. Hauses und im Sinne des Uranus zu interpretieren. Was die Auswahl erleichtert, ist der Orbis: Er beträgt bei diesem Verfahren 1°.

Transitdirektion Uranusbogen

Transitdirektion Uranusbogen

Dann schaun‘ mer mal, was sich findet:

Der tdMond steht auf rSpitze 9
Die tdVenus steht genau auf dem rUranus
Der tdMars steht auf rSpitze 6
Der tdPluto steht genau auf dem rMC
Der tdAC steht auf dem Kritischen Grad 24° Widder: SA/UR
Der tdMC steht auf dem Kritischen Grad 9,5° Steinbock: VE/MK

td ist die Abkürzung von Transitdirektion, r steht für Radix

Das ist reichlich Material und soll an dieser Stelle genügen. Ganz offensichtlich ist Leben in der Beziehungsbude, wobei man Beziehung nicht mit Partnerschaft verwechseln sollte. Es geht auch um das, was mir insgesamt in und aus der Umwelt entgegenkommt. Der tdMond auf rSpitze 9 signalisiert, dass Gefühle eine große Rolle spielen, dass sie Raum einnehmen. Haus 9 bildet die sozialen Umweltbedingungen ab, das soziale Milieu und in dieser Transitdirektion meine emotionale Beziehung dazu. Was mir in diesem Rahmen begegnet, lässt mich nicht kalt und ich reagiere unmittelbarer und mehr aus dem Bauch heraus als sonst. Ich bin berührbar, auch von den aktuellen gesellschaftlichen Themen, da der Mond im Radix Herrscher von Haus 12 ist.

Die tdVenus auf dem rUranus trifft auf einen guten Bekannten. Im Radix selbst ist Venus/Uranus als Konstellation angelegt über Spitze 7 in Wassermann. Das Trigon Venus/Uranus ist zwar ein Aspekt, wird aber nicht als Konstellation gewertet. Hier wird also eine Anlage verstärkt. Die durch den tdMond schon angezeigte Berührbarkeit bekommt eine „prickelnde Note“, es kommt ein Moment der Anspannung hinzu, etwas Nervöses, aber auch Aufgeschlossenes, eine Lust (Venus) auf Neues (Uranus). Der tdMars auf rSpitze 6 und im Radix Herrscher von Haus 9 meint, dass bissel Leben in der Begegnungssroutine von Nöten sei und macht mobil. Auch die beruflichen Begegnungen bleiben nicht verschont: der tdPluto steht auf dem rMC, hier ist Wandlung, Transformation angesagt. Der tdAC macht auf dem Saturn/Uranus-Grad deutlich, dass es zu Brüchen kommen wird. Wo, auf welchen Gebieten, wird das sein? Saturn herrscht im Radix über Haus 6, Uranus in Haus 7. Es wird also diese beiden Häuser betreffen und eine Möglichkeit der Deutung wäre dann: Ende der Scheinharmonie (Verbindung Haus 6 und Haus 7) oder Bruch in den Alltagsroutinen, was mit Blick auf den tdPluto auf dem rMC auf den Beruf hinweisen kann. Der tdMC auf 9,5° Steinbock als „Partnerschaftsgrad“, Venus/Mondknoten, weist auf Formen der Zusammenarbeit mit anderen hin, die neuartig sind (es ist ja immer noch der Uranusbogen, der hier den Takt vorgibt).

Man kann bei der Deutung natürlich viel stärker in die Tiefe gehen und die Konstellationen des Radix genauer ausleuchten. Hier in diesem Beitrag geht es jedoch darum, die Methode knapp und verständlich vorzustellen und Verwendungsmöglichkeiten zu nennen. Eine weitere Anwendungsmöglichkeit besteht darin, mit dieser Methode zu „schachteln“ und zum Beispiel für Prognosen mit den sehr langsamen Planeten wie Pluto, Neptun, Uranus und Saturn zu beginnen und sich zu den schnelleren wie Jupiter, Mars, Venus, Merkur und Sonne „vorzuarbeiten“, um einen eingegrenzten Zeitraum zu finden. Der Mond nimmt eine Sonderstellung ein, weil er sich so schnell bewegt, dass man mit seiner Transitdirektion schon im Stundenbereich operiert; er bewegt sich täglich mit ca. 12° Fortschritt durch den Tierkreis (Faustregel: alle zwei Stunden 1°). Für diese Schachtelungen gibt es ein Beispiel in einem Skript von Michael Roscher, dass hier unten auf der Seite zum Download bereit steht.

Viel Freude am Experimentieren mit dieser Methode!

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