Eiseskälte

Na, auch schon am Frieren?

Es ist kalt in Deutschland, in Europa. Und es wird kälter, daran ändert auch dieser Sommer mit seinen Hitzewellen nichts. Ich wollte schon länger etwas zu diesem Thema schreiben, fand es aber sehr schwierig, einen Bezugspunkt aus astrologischer Perspektive zu finden. Politisch gesehen ist das kein Problem. Da sind zum einen die ständigen Meldungen irgendwelcher Krisen wie in der Ukraine, in Südeuropa. Oder die fast versteckten Meldungen zur wachsenden Armut, auch und gerade hier in Deutschland. Gibt es eigentlich noch Menschen, die nicht über Angehörige oder Freunde von den brutalen Auswirkungen von Hartz IV Kenntnis haben? Oder von anderen Segnungen der Agenda 2010 wie stagnierenden Löhnen? Wer spürt nicht die Folgen von Privatisierungen im Klinikbereich, in den Gemeinden und Städten, im Wohnungsbau, bei der Energieversorgung?

Beispielhaft für die Eiseskälte ist der Umgang mit Mitgliedern der EU wie Spanien, Portugal, Irland, Zypern und Griechenland. Insbesondere in Griechenland wird deutlich, wie kalt es geworden ist: Dieses Land wird mit Reformen überzogen, die beispiellos sind. Zur Vereinbarung über das dritte „Hilfspaket“ sagte ein Nobelpreisträger, die Bedingungen seien grausam – und er hat Recht. Der Tenor in der deutschen Medienlandschaft ist: Wer nicht spart, muss fühlen. Niemand kann ernsthaft glauben, dass unsere Politiker nicht wüssten, was sie anrichten. Sie wissen es, und sie tun es trotzdem: Das „System Schäuble“. Die Menschen, die unter den Maßnahmen leiden, sind ihnen völlig egal. Da hilft auch das Predigen nicht.

eiskalt
Astrologisch gesehen ist Pluto der Planet, der von der Energie, der Hitze, dem Licht der Sonne am weitesten entfernt seine Bahn zieht. Aus diesem Grund habe ich seinen ersten Eintritt in das Zeichen Steinbock als Bezugspunkt für meine Analyse gewählt, denn auch das Zeichen Steinbock steht nicht gerade für Wärme. Für seinen ersten Auftritt hat Pluto als Aszendent das Zeichen gewählt, über das er herrscht, den Skorpion. Pluto himself steht in Haus 2, in dem Bereich des Horoskops, in dem es um Substanz im weitesten Sinne geht. Hier ist also eine Venus/Pluto-Konstellation gegeben, die mit Substanzopfern und Deformierungen einhergeht. Es geht an’s Eingemachte. Und das, ohne davon berührt zu sein: Uranus steht am IC in Opposition zum Mond in Jungfrau. Der Blick ist „nutzenorientiert“, auf Strukturen und Regeln, auf Gesetze und Normen gerichtet – ohne innerlich beteiligt zu sein (Mond-Uranus). Mit der Merkur/Neptun-Konjunktion in Haus 3 wird Mitgefühl zwar zur Schau gestellt – aber es dient nur dem Zweck und der Ideologie, denn Merkur herrscht über Haus 10 und als Mitherrscher über Haus 8. Neptun als Herrscher von 4 zeigt denn auch eher das Fehlen von emotionaler Bewegung als persönliche Betroffenheit; bestenfalls ist bei dieser Neptunposition ein unpersönliches Mitfühlen zu erwarten. So wird zwar mit Engelszungen das Lied von Freiheit gesungen (Merkur/Neptun und Sonne in Wassermann in Haus 3), aber dieser Gesang will nicht so recht mit der Gesamterscheinung harmonieren (Merkur/Neptun Quadrat AC). Er klingt blechern und schräg.

In diesem Horoskop stehen alle Planeten in Zeichen, die eher „kalt“ als „warm“ sind: Steinbock, Wassermann, Fische, Zwillinge und Jungfrau. Insbesondere die gesellschaftlichen Zeichen sind stark besetzt und in diesem Chart sind sie in den unteren Quadranten zu finden, was ein starker Hinweis auf eine objektiv gefärbte Subjektivität ist. So wirkt vieles vernünftig, ist aber interessengesteuert. Das zeigt sich deutlich in Haus 2, dessen Spitze im Schützen liegt und das mit Pluto, Venus und Jupiter besetzt ist. Alle diese Planeten haben einen Bezug zum „Haben“, zu Geld und zu Reichtum, und mit Jupiter und Schütze in 2 haben sie sehr gern sehr viel von all diesem. Wer hat, der will noch mehr. Und die, die nicht so viel haben? Die finden sich gegenüber in Haus 8, dem Haus der Werte der Anderen. Mitherrscher von 8 ist der Mond, der sich in der Jungfrau befindet – da kann man sich dann doch wohl bescheiden, oder? Merkur als Hauptherrscher ist mit Neptun liiert, dem Fass ohne Boden. Das spricht nicht dafür, dass diese Anderen sich ebenfalls die Taschen füllen können. Der Reichtum des Einen ist eben die Armut des Anderen: „Und der Arme spricht bleich: Wär‘ ich nicht arm, wärst du nicht reich.“

Das Chart weist eine starke Besetzung des I. Quadranten auf. Wenn es sich um eine Person handelte, wäre die Diagnose: starker Selbstbezug. Nicht aus Bösartigkeit, sondern anlagebedingt. So spiegelt dieses Horoskop die zunehmende Entsolidarisierung, die ihren stärksten Ausdruck im vorherrschenden Wirtschaftssystem findet, im Kapitalismus. So kommt das Oberhaupt der Katholiken angesichts der Folgen dieses zunehmend unregulierten Wirtschaftssystems zu diesem deutlichen Satz: Papst Franziskus: Diese Wirtschaft tötet. Damit das „Spiel“ auf der Achse 2/8 funktioniert, muss einem Großteil der Menschen eingeredet und vorgeführt werden, dass Wenige das Recht haben, es sich auf Kosten der Mehrheit gutgehen zu lassen. Das klappt am Besten, wenn man Güter, die dem Wohl aller dienen, privatisiert, oder Leistungen wie bei der Rente, im Gesundheits- und im Bildungssektor reduziert. Reiche brauchen keinen starken Staat, weniger Wohlhabende schon. Das „Zauberwort“ heißt Strukturreformen oder Sparen bis zum Kollaps. Folgerichtig findet sich in diesem Horoskop Saturn im 9. Haus. Das 9. Haus ist die soziale Umgebung – und auf diesem Sektor wird am meisten reduziert, gespart, beschränkt und reglementiert (Saturn). Damit wird sichergestellt, dass Saturn dem Vermögen und dem Besitz der Wenigen dient (Saturn als Mitherrscher von Haus 2). Die vielen weniger Begüterten können ja Kuchen essen, wenn sie kein Brot mehr haben.

Mir ist kalt.

Dieser Beitrag erschien zuerst am 30.07.2015 auf www.astrologie.de.

2 Kommentare

  1. Ja, so ist es. Pluto ist der Herrscher der Unterwelt. Dort fällt kein Lichtstrahl hin. Es ist kalt. Danke für diesen Artikel.

    Gruß G.

  2. Hallo Gerhard,

    schön, dich zu lesen, gerade in dieser kalten Umgebung.

    Grüße, Rita

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